Bierkultur

Kölsch oder Alt? Bei uns kommen die Profis zu Wort.

Kölsch oder Alt? Eine Frage, die sich jeder biertrinkende Rheinländer bestimmt schon öfter gestellt hat. Für die Kölner ist es ganz klar: natürlich ist das Kölsch am besten. Auch für den Düsseldorfer liegt es auf der Hand: Alt ist das Bier der Biere.


Sudkessel Foto: Oliver Heyer

Wenn man es genau betrachtet, liegen Kölsch und Alt gar nicht so weit auseinander. Beide werden obergärig gebraut, das heißt, es wird obergärige Hefe benutzt. Die Hefe bildet Kolonien, die nach der Fermentation schließlich auf dem Jungbier schwimmen. Da es früher aufgrund technischer Gegebenheiten nicht möglich war, das Bier während der Gärung ausreichend abzukühlen, war obergärige Hefe die perfekte Lösung. Die Gärung verlief nicht nur schneller, sondern war auch schon bei einer Umgebungstemperatur von 15-20° Celsius möglich. Der offensichtliche Unterschied zwischen beiden Bieren ist in jedem Fall die Farbe. Da die Malzkörner beim Alt länger geröstet werden, ist es deutlich dunkler als Kölsch. Geschmacklich empfindet man das Alt meist als herber oder etwas bitterer als Kölsch. Die einzige Besonderheit, die das Kölsch noch für sich verbuchen kann, ist das EU-Siegel „Geschützte geographische Angabe“. Dies bedeutet, dass sich nur Kölsch nennen darf, was auch in Köln oder direkter Umgebung gebraut wurde. Der Düsseldorfer sieht das hingegen etwas entspannter: Altbier darf überall gebraut und dementsprechend dann auch als Alt bezeichnet werden.

Alt und Kölsch in friedlicher Koexistenz

Abfüllanlage Foto: Oliver Heyer

Da die beiden Städte Düsseldorf und Köln relativ nah beieinander liegen, könnte man vermuten, dass zwischen den Brauereimeistern ein starker Konkurrenzkampf herrscht und dieser indirekt auch den Streit zwischen den beiden Städten schürt. Gespräche mit Brauereimeistern zeigen aber eher das Gegenteil. „Die Techniker halten zusammen“, erzählt ein Düsseldorfer Brauereimeister. Es käme auch durchaus vor, dass man sich gegenseitig in den Betrieben besuche, um sich auszutauschen. Ein Brauereimeister aus Köln berichtet ähnliches: „Man kennt sich meist noch aus Studienzeiten. Dieses Jahr veranstalten wir sogar einen gemeinsamen Stammtisch zwischen Kölsch- und Alt-Brauern.“ Da drängt sich schon die Frage auf, was bei diesem Treffen denn bevorzugt getrunken wird. Und auch hierzu kommen erstaunliche Aussagen von den Experten. „Ich bin ursprünglich nicht aus der Region und trinke daher nicht nur Kölsch. Es wäre ja auch sehr engstirnig, sich darauf festzulegen.“ Der Düsseldorfer legt sogar noch einen drauf: „Wenn ich in Köln bei Freunden bin, trinke ich auch gern schon mal ein Kölsch.“ Ein Grund dafür: Es handelt sich bei den Brauereimeistern oft gar nicht um gebürtige Kölner oder Düsseldorfer. Aber irgendwo muss doch jemand zu finden sein, der gegen den jeweils anderen was hat. Die Düsseldorfer und Kölner liegen doch im Streit – oder etwa nicht?

Kalt schmeckt es am besten

Filteranlage Foto: Oliver Heyer

Philipp ist zurzeit im dritten Lehrjahr seiner Ausbildung in einer Brauerei. Er ist gebürtiger Düsseldorfer. In der Berufsschule werden die Azubis zusammen unterrichtet und nicht vorher nach Biersorte „sortiert“. „Man drückt sich schon mal den einen oder anderen Spruch, das ist aber nie ernst gemeint“, erzählt Phillip grinsend. „In meiner Klasse gibt es sogar einen Düsseldorfer, der in einer Kölner Brauerei arbeitet.“ Der Streit zwischen den beiden Städten scheint also doch nicht mehr so stark zu sein, obwohl dieser auf eine lange Geschichte zurück geht. Phillip erzählt über einen Kurs in der Berufsschule: „Wir sollten uns in Zweiergruppen eine Biersorte überlegen und diese dann selber brauen. Am Anfang war es schon eine Diskussion mit dem Kölner. Wir haben uns schließlich für „Kalt“ entschieden.“ Eine Sorte, die geschmacklich sowie farblich irgendwo zwischen Kölsch und Alt liegt und, wie der Name schon sagt, am besten kalt getrunken wird.


Das Brauerei-Gewerbe lebt also in friedlicher Koexistenz. Man kennt sich nicht nur aus Schule oder Studium, sondern tauscht sich auch aus und trifft sich sogar privat. Dabei scheint es egal zu sein, welche der beiden Sorten in geselliger Runde ausgeschenkt wird.

Unter dem Strich bleibt es Geschmackssache

Es bleibt also einfach Geschmackssache, welches Bier zum Beispiel in Bars oder Clubs getrunken wird. Wer es gerne etwas herber mag, ist mit einem Alt aus der Region sicherlich gut bedient. Freunde des milden Bieres werden bestimmt bei der Vielfalt von Kölsch-Sorten ihren persönlichen Liebling finden.