Philip Gogulla vom KEC spielt Eishockey über alle Grenzen hinweg

Ein Hai mit Düsseldorfer Blut

Heute ist eines der Spiele, die kein Eishockey-Fan verpassen will. Nach und nach drängen sich die Eishockey-Fans in die ausverkaufte LANXESS-Arena in Köln. Es ist der Klassiker: Das Derby im Rheinland. Wenn die Kölner Haie gegen die DEG Metro Stars aus Düsseldorf spielen, steht das Eis in Flammen. Kein anderes Spiel in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) lockt so viele Fans an. Diesen packenden Krimi lassen sich Kölner und Düsseldorfer nicht entgehen. Unter den Spielern verbirgt sich ein Hai, in dessen Adern Düsseldorfer Blut fließt: Es ist Philip Gogulla, geboren im Feindesland.

Tauziehen auf historischem Boden

Das Tauziehen von Worringen. Foto: Carsten Lasch

Zwei Monate zuvor trugen die beiden Mannschaften ihre Rivalität noch auf ganz andere Weise aus. Noch vor Beginn der Saison 2008/2009 gab es ein erstes Kräftemessen der Spieler. Das Besondere: Die Spieler traten dieses Mal nicht wie sonst auf dem Eis gegeneinander an, sondern beim Tauziehen. Und das fand auf historischem Boden, dem Schlachtfeld von Worringen, statt. Dort, wo sich 1288 noch die rheinischen Bauern eine Schlacht lieferten, traten nun vier Kölner und vier Düsseldorfer Spieler gegeneinander an. Die Kölner schickten Moritz Müller, Marcel Müller, Alexej Dmitriev, Jerome Flaake und Philip Gogulla zu der Schlacht an den historischen Ort. Die Düsseldorfer traten mit Daniel Kreutzer, Korbinian Holzer, Ryan Ramsay, Brad Tutschek und Adam Courchaine auf dem Acker an. Der Ausgang dieses Duells: 3:0 für Düsseldorf. Wie im Jahre 1288 trugen die Düsseldorfer den Sieg nach Hause. Nach der Schlacht von Worringen bekamen sie von Graf Adolf von Berg dafür die Stadtrechte verliehen.

Haie mit Düsseldorfer Blut

Der Zwist zwischen den beiden Städten Köln und Düsseldorf tobt nun schon seit Jahren - und welche Sportart würde sich besser eignen, um diese Rivalität auszuüben, als Eishockey? „Spiele zwischen Köln und Düsseldorf sind etwas Besonderes. Das ist die Mutter aller Derbys“, erzählt der Kölner Spieler Philip Gogulla. Für die DEG hat der 21-Jährige allerdings noch nie gespielt, ihn trieb es direkt zu den Rivalen. „Der KEC hatte mir damals ein Angebot gemacht und ist einfach eine Top-Adresse im deutschen Eishockey. Damals war Hans Zach Trainer in Köln. Er ist bekannt dafür, dass er auf deutsche Spieler setzt“, begründet Gogulla seine Entscheidung, bei den Haien zu spielen. Und Gogulla ist nicht der Einzige beim KEC, der Düsseldorfer Wurzeln hat: Mats Schöbel und Tom-Patric Kimmel sind ebenfalls in der Landeshauptstadt geboren. Doch Philip Gogulla hat gar nicht das Gefühl, als Ursprungs-Düsseldorfer für das feindliche Lager zu spielen: „Ich identifiziere mich als Spieler der Haie auch mit Köln.“ Und Gogulla fühlt sich mittlerweile sogar eher als Kölner, erzählt er.

Düsseldorfer, die ihrem Verein schonmal fremdgehen

Doch auch in Düsseldorf gab es bisher den ein oder anderen, der vorher schonmal beim Erzrivalen tätig war. DEG-Co-Trainer Mike Schmidt war früher selbst Spieler bei den Haien und wurde mit den Kölnern sogar Meister. Und selbst die Düsseldorfer Legende Walter Köberle, der nun DEG-Teamleiter ist, ging den Metro Stars fremd. Seit mehr als 30 Jahren ist er in Düsseldorf tätig, bekleidete dort alle erdenklichen Positionen: Vom Spieler zum Co-Trainer, zum Trainer und nun zum Teamleiter – eine ganze Eishockey-Karriere bei der DEG. Aber eine Saison (1980/81) verbrachte der 59-Jährige als Spieler ausgerechnet bei den Erzrivalen, den Kölner Haien. Dann zog es Köberle wieder zurück nach Düsseldorf. „Ich bin seit 1971 in Düsseldorf und mit den DEG zweimal deutscher Meister geworden. Da hängt mein Herz natürlich an Düsseldorf. Die ganze Stadt bietet ein gutes Flair.“ Ob er das Jahr in Köln nun als dunkles Kapitel in seiner Laufbahn betrachtet? Köberle: „Ich habe mich auch in Köln sehr wohl gefühlt. Es war eine gute Saison und ein angenehmes Jahr. Die Kölner sind toll.“

Sie hassen und sie lieben sich

Schlacht auf dem Eis. Foto: Pressestelle DEG

Verzichten können die beiden Vereine trotz aller Rivalität aber trotzdem nicht aufeinander. Frieder Feldmann, Pressesprecher der DEG, erzählt: „Als die Düsseldorfer nach ihrem Abstieg im Jahre 2000 wieder in die erste Liga aufgestiegen sind, hielten die Haie-Fans ein riesiges Transparent hoch, auf dem stand: Schön, dass ihr wieder da seid. Das heißt auch, dass wir ein würdiger und guter Gegner für die Kölner sind, und dass es sich lohnt, gegen die DEG zu spielen.“ Wenn es die Kölner Haie dieses Jahr nicht in die Play-Offs schaffen würden, fände Köberle das sogar sehr schade: „Es ist sehr spannend, wenn die beiden Städte gegeneinander spielen. Die beiden Vereine haben ein gutes Verhältnis, wir sitzen in einem Boot und kämpfen zusammen für das Überleben der Clubs. Auch was die Zuschauerzahlen betrifft, sind wir aufeinander angewiesen – immerhin kommen zu den Spielen die meisten Besucher.“

Abpfiff beim Rheinland-Derby

Zurück in der LANXESS-Arena: Dieses Mal geht Köln als Sieger aus dem Rhein-Duell hervor. Nach Verlängerung gewinnen sie 6:5. Als Düsseldorf 5:3 in Führung lag, gelang es ausgerechnet dem Düsseldorf-Kölner Gogulla, die DEG zu einem Foulspiel zu zwingen. Die Unterzahl der Düsseldorfer Spieler machte es den Haien möglich, das Eis noch einmal von hinten aufzurollen und dieses Derby für sich zu entscheiden. Doch eine Revanche lässt meistens nicht lange auf sich warten. Spätestens in der nächsten Saison wird es wieder heiß hergehen, wenn es heißt: Köln gegen Düsseldorf.