„Da brennt einem das Herz“

Über eine rheinische Rivalität auf dem Fußballfeld

Noch im Mittelalter klärte man einen Streit zwischen zwei Städten schnörkellos auf einem Schlachtfeld. Da diese Zeiten heute vorbei sind, müssen Feindseligkeiten auf anderen Ebenen ausgetragen werden. Was passt da besser als ein Fußballfeld? Die beiden repräsentativen Fußballvereine der Städte Düsseldorf und Köln sind Fortuna Düsseldorf und der 1. FC Köln. Werden also die Fußballfelder beider Vereine zu Schlachtfeldern der Gegenwart? Aber halt! Die Vereine spielen seit knapp zehn Jahren nicht mehr in einer Liga. Ihr letztes Liga-Spiel haben die Mannschaften in der Saison 98/99 bestritten – also im vergangenen Jahrtausend. Köln spielt nun in der ersten Bundesliga und Fortuna Düsseldorf in der dritten Liga. Dazwischen liegen Welten. Gibt es nach all den Jahren überhaupt noch eine Rivalität zwischen beiden Vereinen?

„Rivalität ist kein Thema mehr“

Rainer Mendel, FC Köln.
Foto: Benjamin Sehring

„Nein, das ist bei den Fans kein Thema mehr“, erklärt Rainer Mendel, der Fanbeauftragte des 1.FC Köln. Denkt er an eine Rivalität zwischen den Klubs, schwelgt er in Erinnerungen: „Für mich waren besonders die Pokal-Duelle im Finale ´78 und ´80 prägend. 1978 haben wir noch den Pokal gegen Düsseldorf gewonnen, bevor sie uns dann zwei Jahre später besiegt haben.“


Ist die Rivalität beider Klubs also nur noch Schnee von vorvorgestern? Auch der Fanbeauftragte der Düsseldorfer, Jörg Emgenbroich, scheint dieser Meinung zu sein: „Die Rivalität ist bei weitem nicht mehr so aktuell wie früher. Das ist aber eine normale Entwicklung, weil einfach seit knapp zehn Jahren die ligainternen Duelle fehlen.“

Gibt es bald eine Fanfreundschaft zwischen den Vereinen?

Heute stehen andere Derbys im Vordergrund: Bei den Düsseldorfern ist eine Rivalität zu Rot-Weiß Essen entstanden. Und die Kölner haben in der ersten Bundesliga direkte Duelle mit den Städtenachbarn Leverkusen und Mönchengladbach. Die Rivalität ist also kaum noch Thema bei den Fans und hat sich auf andere Vereine übertragen. Also eine Chance das Kriegsbeil beider Städte auf dem Fußballfeld zu begraben? Vielleicht sogar eine Fanfreundschaft?


Jörg Emgenbroich, Fortuna Düsseldorf.
Foto: Benjamin Sehring

„Nein, das geht gar nicht. So viel Kuschel-Faktor muss dann auch nicht sein“, ist die Antwort des lachenden FC-Fanbeauftragten. Aber warum wird hier die Chance verspielt, Frieden zu schließen und als leuchtendes Vorbild der Annäherung für andere Städte zu agieren? Stattdessen soll ein bisschen gesunde Rivalität erhalten bleiben, meint der Fanbeauftragte der Düsseldorfer, schließlich lebe der Fußball ja von Emotionen.


Also scheint es doch noch zu prickeln, auch wenn man sich nicht mehr in Profi-Duellen gegenübersteht. „Wie sehr einem das Herz bei diesen Duellen noch brennt, merkt man schon bei harmlosen Freundschaftsspielen zwischen beiden Klubs“, weiß Jörg Emgenbroich zu berichten.

Alte Rivalität bald wieder aktuell?

Emotionen, brennende Herzen. So leicht verschwindet eine Rivalität dann also nicht, hat sie doch meistens schon in der Familie ihre Wurzeln, wie Jörg Emgenbroich erklärt: „Ich komme aus einer absolut fußballbegeisterten Familie, in der man sich früh für einen der rheinischen Vereine entscheiden musste. Als klar war, dass ich für Düsseldorf die Daumen drücke, bekam ich bei der einen oder anderen familieninternen Diskussionen diese Hassliebe zwischen beiden Vereinen zu spüren.“


Beide Fanbeauftragte vermissen das hochemotionale Derby mitten im Rheinland. Geht es nach Emgenbroich, muss es ein Relegationsspiel um die erste Liga sein, das heißt der Drittletzte der ersten Liga trifft am Ende der Saison auf den Drittplatzierten der zweiten Liga. Dann wird die alte Rivalität endlich wieder auf einer würdigen Ebene ausgetragen. Auf dem Fußballfeld in der Bundesliga.