Über die Sprache – „Üvver de Sproch“

Kölsch und Düsseldorfer Platt im Vergleich.

Der eine hat ihn, der andere nicht. So mancher beherrscht ihn in Perfektion und wieder andere wollen ihn am liebsten loswerden. Vielerorts gern gehört, wird er woanders genauso gern ins Lächerliche gezogen. Die Rede ist vom Dialekt. Der dient – wie die Sprache generell – nicht nur der Kommunikation, er stiftet auch Identität und dient der Abgrenzung. Ob „icke“, „isch“ oder „i“, ob „ditte“, „dat“ oder „des“. Dialekte sind verbale Zeichen, die sagen: „Von da komm’ ich wech!“. Und obwohl der Anteil der deutschen „Dialekt-Sprecher“ in den letzten Jahren stark abgenommen hat und die Reinformen kaum noch vorkommen, sind Dialekte wie das Rheinische noch immer präsent.

Die Benrather Linie

Die Dialekte des Rheinlandes.
Quelle: rheinische-landeskunde.lvr.de

Die Dialekte in Nordrhein-Westfalen lassen sich in den fränkischen und den westfälischen Sprachzweig aufteilen. Die fränkischen Dialekte unterteilt man unter anderem in Niederrheinisch im Norden des Regierungsbezirks Düsseldorf und Ripuarisch, das südlich der „Benrather Linie“ (siehe Abb. 1) von Köln ausgehend im übrigen Rheinland gesprochen wird. Die „Benrather Linie“ ist die so genannte „maken-machen-Linie“. Die nördlichen Dialekte sprechen „machen“ mit k aus, die südlichen mit ch. Bis auf den Stadtteil Benrath liegt Düsseldorf unmittelbar nördlich der Linie. Da kann der Düsseldorfer nichts gegen „make“. Innerhalb beider Gebiete gibt es wiederum eine große Zahl von örtlichen Mundarten, die sich teilweise deutlich voneinander unterscheiden.

Lust auf Dialekt oder Dialektverlust?

Auch die Akzeptanz beim Sprachgebrauch ist regional sehr unterschiedlich, teilweise sogar losgelöst von Bildung und Berufsstand. So scheint es auch bei Kölsch und Düsseldorfer Platt zu sein: „Selbst Intellektuelle finden es nicht schlimm, in Köln Mundart zu sprechen. Das ist in Düsseldorf ganz anders“, sagt Peter Honnen, Sprachforscher vom LVR-Institut für Landeskunde in Bonn. So spricht Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma in der Öffentlichkeit genauso gut und gerne Kölsch wie andere sonst nur am Stammtisch in der Eckkneipe. Hinzu kommt, dass Sprache sich generell ständig weiterentwickelt und verschiedene Dialekte sich mit der Zeit vermischen. Dies geschieht vor allem durch große Zuwanderungen in Ballungszentren und Großstädte. Durch den Einfluss von Schrift-, Amts- und Mediensprache rücken zudem viele Dialekte immer weiter in den Hintergrund. Köln und seine unmittelbare Umgebung sind dabei weniger von diesem Dialektverlust betroffen und gelten als relativ „dialektstabil“. Ganz im Gegensatz zu Düsseldorf (siehe Abb. 2): „In meiner Jugend konnte ich noch hören ob einer aus Benrath, Gerresheim oder der Düsseldorfer Altstadt kam“, erinnert sich Rudolf Schmidt, Archivar des Vereins Mundartfreunde Düsseldorf 1969 e.V. Das war vor etwa 60 bis 70 Jahren. Heute bekommt Schmidt so feine Unterschiede kaum noch zu Gehör.

Zweierlei oder Dialekt-Brei?

Dialektverlust im Rheinland.
Quelle: rheinische-landeskunde.lvr.de

Eine genaue Trennung der beiden Dialekte erweist sich als schwierig, denn der Trend geht zum „Regiolekt“, einer regionalen Umgangssprache. Wenn Fremde die beiden Mundarten zu hören bekommen, ist zwar klar: wir sind hier im niederrheinischen, fast holländischen Sprachbereich, aber ob nun „ne kölsche Jung“ oder „en düsseldorwer Duzbroder“ gesprochen hat, kann kaum einer sagen. Meist wird der Dialekt dann der bekannteren der beiden Mundarten zugesprochen: dem Kölsch. Das LVR-Institut für Landeskunde in Bonn stellte 2002 sogar fest, dass das Düsseldorfer Platt schon 1885 einen Ripuarisch-Anteil von 82% aufwies. Wenn man Ripuarisch mit Kölsch gleichsetzt, ist das ein erstaunlich hoher Wert. Stellt sich die Frage: Gibt es überhaupt noch Unterschiede zwischen Düsseldorfer Platt und Kölsch, oder handelt es sich mittlerweile lediglich um einen rheinländischen Dialekt-Brei? Schnell wird klar, es gibt nicht nur „Ungerschiede“ sondern auch „Ungerscheede“! Aber wie weit reichen diese?

Die Dialekt-Lektionen

Da es sich bei Dialekten um Alltagssprache handelt, lassen sich die heutigen Unterschiede auch im Alltag finden. Hier einige „alltägliche“ Situationen zum Lesen, Anhören und Nachsprechen:

Richtig bestellen - 1


Hochdeutsch: Ich hätte gern ein Käsebrötchen, bitte!


Kölsch: Dun mer ens ene Halve Hahn!


Düsseldorfer Platt: Häste ne Halve Hahn för mech?

Richtig bestellen - 2


Hochdeutsch: Was ist das? Haben Sie auch Bier?


Kölsch: Wat is dat dann? Hat ehr kei Kölsch?


Düsseldorfer Platt: Wat es dat? Hatt er kie Alt?

Richtig bestellen - 3


Hochdeutsch: Wieviel kostet bei Ihnen ein Bier?


Kölsch: Wat koss et Kölsch dann bei üch?


Düsseldorfer Platt: Wat kost dat Bier?

Richtig bestellen - 4


Hochdeutsch: Ein Bier bitte!


Kölsch: Du mer e Kölsch


Düsseldorfer Platt: Dommesch e Alt!

Richtig unterhalten - 1


Hochdeutsch: Wie geht es Ihnen?


Kölsch: Wie geiht et üch?


Düsseldorfer Platt: Wie jeht et üsch?

Richtig unterhalten - 2


Hochdeutsch: Mir geht es gut. Und Ihnen?


Kölsch: Mer geiht et got. Un üch?


Düsseldorfer Platt: Jut! Und wat mäks Do?

Richtig unterhalten - 3


Hochdeutsch: Können/Sollen wir uns mal wieder treffen?


Kölsch: Wann süht mer sich dann ens widder?


Düsseldorfer Platt: Küttse mech mal besöke?

Richtig unterhalten - 4


Hochdeutsch: Ich muss dich unter vier Augen sprechen.


Kölsch: Wann mer zwei ens allein, muss ich dich ens jet froge?


Düsseldorfer Platt: Ech moß dech mo wat frore – äwer alleen.



Und so könnte es klingen, wenn ein Düsseldorfer auf einen Kölner trifft:

„En der Weetschaff“


Wer mehr über Kölsch und Düsseldorfer Platt erfahren oder die beiden Dialekte sogar lernen möchte, findet hier nützliche Informationen und Ansprechpartner:


„Hans-Müller-Schlösser-Akademie“
ons Scholl för Düsseldorwer Platt
Mundartfreunde Düsseldorf 1969 e.V.
Burgplatz 12 - 40213 Düsseldorf
www.mundartfreunde.de/akademie.htm



Akademie för uns kölsche Sproch Im Mediapark 7 - 50670 Köln

www.koelsch-akademie.de


Quellen: Grafiken: